1. Was bestimmt das Ergebnis einer pH-Messung?
Eine potentiometrische Messanordnung enthält einen pH-empfindlichen Teil und eine Referenz. Beide können als getrennte Elektroden oder zusammen in einer Kombinationselektrode vorliegen. Das Gerät misst ihre Potenzialdifferenz und ordnet ihr nach der Kalibrierung einen pH-Wert zu. Geeignete Glasmembran, funktionsfähige Referenz, Probe, Temperatur und Arbeitsverfahren gehören zum gesamten Messsystem.
Die empfindliche Glasmembran reagiert auf die Aktivität der Wasserstoffionen. Die Referenz soll ein möglichst stabiles Vergleichspotenzial und eine ionische Verbindung zur Probe bereitstellen. Zum Aufbau gehören beispielsweise ein inneres Ag/AgCl-Element mit innerer KCl-Lösung, die Glasmembran, die Probe sowie ein Referenz-Ag/AgCl-Element mit Referenzelektrolyt und Flüssigkeitsübergang. Eine hohe Auflösung des Displays bestimmt allein noch keine hohe Genauigkeit der gesamten Anordnung.
Nernst-Antwort und Temperatur
Im Arbeitsbereich lässt sich die Kalibrierantwort häufig als E = A + S × pH darstellen. E ist das Potenzial, A der zusammengefasste Versatz und S die Steigung. Das Vorzeichen hängt von der Schaltung und Potenzialdefinition ab. Die ideale absolute Steigung beträgt |S| = ln(10) RT/F ≈ 2,303 RT/F. T ist die absolute Temperatur in Kelvin, R die Gaskonstante und F die Faraday-Konstante; die Formel liefert V/pH, die folgende Tabelle mV/pH.
Die Werte sind mit ln(10) berechnet und auf zwei Dezimalstellen gerundet. Sie sind keine Toleranz eines bestimmten Modells und geben auch keine zulässige Betriebstemperatur an.
| Temperatur (°C) | Ideale |S| (mV/pH) |
|---|---|
| 0 | 54,20 |
| 5 | 55,19 |
| 10 | 56,18 |
| 15 | 57,18 |
| 20 | 58,17 |
| 25 | 59,16 |
| 30 | 60,15 |
| 35 | 61,14 |
| 37 | 61,54 |
| 40 | 62,14 |
| 45 | 63,13 |
| 50 | 64,12 |
| 55 | 65,11 |
| 60 | 66,10 |
| 65 | 67,10 |
| 70 | 68,09 |
| 75 | 69,08 |
| 80 | 70,07 |
| 85 | 71,06 |
| 90 | 72,06 |
| 95 | 73,05 |
| 100 | 74,04 |
Bei 25 °C beträgt die ideale absolute Steigung etwa 59,16 mV/pH. Rund 60 mV ist eine Näherung für diesen Temperaturbereich. Alterung, Verschmutzung, Hydratation, Referenz und Kalibrierung können die beobachtete Antwort verändern. Deshalb ist die Steigung kein verlässlicher Kalender für das Alter einer Sonde; eine allgemeine Korrektur anhand der verstrichenen Zeit ist nicht möglich.
Isopotenzialpunkt und Modell des Temperatureinflusses
Im idealisierten Diagramm schneiden sich die Kalibriergeraden verschiedener Temperaturen in einem Isopotenzialpunkt. Die im Ausgangsartikel gezeigten Geraden für 0, 50 und 100 °C illustrieren dieses Prinzip. Für bestimmte Anordnungen liegt der Punkt nahe pH 7; er ist nicht allgemein exakt pH 7 ±0,1 oder 0 mV. Die tatsächliche Lage hängt von Elektrode, Referenz und Probe ab. Auch ein weiter gefasster Bereich von ±1 pH stellt keine allgemeine Spezifikation dar.
Die nächste Tabelle ist ein berechnetes Anschauungsmodell: ideale Elektrode, angenommener gemeinsamer Punkt bei pH 7, Kalibrierung bei 25 °C, keine Kompensation der Steigungsänderung und keine chemische Änderung des Proben-pH. Angegeben ist die absolute Abweichung |ΔpH| = |pH − 7| × |T − 25| / 298,15; T wird hier in °C eingesetzt. Die Temperaturdifferenz entspricht derselben Differenz in Kelvin. Die Werte sind auf zwei Dezimalstellen gerundet und beschreiben weder eine reale Sonde noch die vollständige Messunsicherheit.
| Temperatur (°C) | pH 2 | pH 3 | pH 4 | pH 5 | pH 6 | pH 7 | pH 8 | pH 9 | pH 10 | pH 11 | pH 12 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 5 | 0,34 | 0,27 | 0,20 | 0,13 | 0,07 | 0,00 | 0,07 | 0,13 | 0,20 | 0,27 | 0,34 |
| 15 | 0,17 | 0,13 | 0,10 | 0,07 | 0,03 | 0,00 | 0,03 | 0,07 | 0,10 | 0,13 | 0,17 |
| 25 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 |
| 35 | 0,17 | 0,13 | 0,10 | 0,07 | 0,03 | 0,00 | 0,03 | 0,07 | 0,10 | 0,13 | 0,17 |
| 45 | 0,34 | 0,27 | 0,20 | 0,13 | 0,07 | 0,00 | 0,07 | 0,13 | 0,20 | 0,27 | 0,34 |
| 55 | 0,50 | 0,40 | 0,30 | 0,20 | 0,10 | 0,00 | 0,10 | 0,20 | 0,30 | 0,40 | 0,50 |
| 65 | 0,67 | 0,54 | 0,40 | 0,27 | 0,13 | 0,00 | 0,13 | 0,27 | 0,40 | 0,54 | 0,67 |
| 75 | 0,84 | 0,67 | 0,50 | 0,34 | 0,17 | 0,00 | 0,17 | 0,34 | 0,50 | 0,67 | 0,84 |
| 85 | 1,01 | 0,80 | 0,60 | 0,40 | 0,20 | 0,00 | 0,20 | 0,40 | 0,60 | 0,80 | 1,01 |
Bei pH 5 oder 9 und einer Temperaturänderung von 25 auf 35 °C ergibt dieser einzelne Modellbeitrag etwa 0,067 pH. Daraus folgt keine Garantie für eine Gesamtfehlergrenze von 0,1 pH im Bereich 25–35 °C und pH 5–9. Eine Null in der Tabelle bedeutet nur, dass dieser Modellbeitrag null ist. ATC berücksichtigt die entsprechende temperaturabhängige Elektrodenantwort, beseitigt aber weder die tatsächliche chemische Änderung des Proben-pH noch alle Referenzeinflüsse.
Was zeigt die Kalibrierung?
Zwei geeignete bekannte Puffer ermöglichen im unterstützten Verfahren die Bestimmung von Steigung und Versatz. Der Versatz enthält mehrere Beiträge der Messkette und nicht nur eine ideale Konstante. Diese Beiträge müssen sich beim Wechsel vom Puffer zu einer chemisch anderen Probe nicht unverändert übertragen.
| Beitrag | Bedeutung |
|---|---|
| Potenzial der empfindlichen Membran | pH-abhängige Antwort und Zustand der inneren und äußeren Grenzfläche. |
| Referenzpotenzial | Vom Referenzsystem, seiner Zusammensetzung und Temperatur abhängig. |
| Übergangs- oder Diffusionspotenziale | An Flüssigkeitsgrenzen, etwa zwischen Referenzelektrolyt und Probe. |
| Elektronik und Kontakte | Messgerät, Kabel, Anschlüsse und mögliche Störungen. |
Das ursprüngliche vereinfachte Schema schreibt Ec = Ee + Ediff1 + Ediff2 + Eref: Membranantwort, zwei dort eingezeichnete Diffusionsbeiträge und Referenzpotenzial. Die Beschriftungen beziehen sich auf inneres Ag/AgCl, inneren KCl-Elektrolyten, Glas, Probe, Übergang und Referenz-KCl mit Ag/AgCl. Zahl der Grenzflächen und Vorzeichen hängen jedoch vom konkreten Aufbau und der gewählten Definition ab; genau zwei Diffusionspotenziale sind keine universelle Beschreibung jeder Kombinationselektrode.
2. Wie lässt sich eine Abweichung untersuchen?
Praktisch lassen sich Einflüsse auf der empfindlichen Seite und an Referenz beziehungsweise Übergang untersuchen. In der Kalibrierung überlagern sie sich jedoch. Eine auffällige Steigung oder ein Versatz identifiziert allein keinen defekten Teil.
2.1 Steigung und Oberfläche
Akzeptanzgrenzen werden durch Hersteller und Messmethode festgelegt. Die Regel „höchstens 10 % unter dem Idealwert“ ist keine allgemeine Definition einer funktionsfähigen Elektrode. Eine gute Steigung in Puffern bestätigt nicht automatisch die Eignung für eine andere Probe.
Organische Stoffe, Fette, Proteine und Ablagerungen können eine Schicht auf der Oberfläche bilden und Kontakt oder Stabilisierung beeinträchtigen. Eine veränderte Antwort bedeutet daher nicht zwingend irreversible Alterung. Prüfen Sie Puffer, Temperatur, Hydratation, Sauberkeit, Referenz und das Ergebnis in einer geeigneten Kontrolllösung. Reinigen Sie nach einem für das Modell und die Verschmutzung geeigneten Herstellerverfahren; verwenden Sie keine ungeprüften selbst zusammengestellten Regenerationsgemische.
2.2 Der Flüssigkeitsübergang der Referenz
Der Übergang verbindet den inneren Elektrolyten ionisch mit der Probe. Gebräuchlich sind offene oder poröse Konstruktionen, Keramik, poröses Glas, PTFE und weitere Ausführungen. Hamilton Single Pore bezeichnet ein bestimmtes Konstruktionsprinzip. Die Werbeaussage einer Abbildung ist kein allgemeiner Nachweis, dass ein Übergang niemals verstopft.
Vergleichen Sie Materialien anhand der Probe, des Elektrolytflusses, des Drucks, der Verschmutzung und des zulässigen Reinigungsverfahrens. Keramik ist nicht immer schlechter als poröses Glas; PTFE ist nicht automatisch die beste Wahl. Auch eine größere Fläche oder ein robuster Übergang garantiert keine monatelange Arbeit ohne Kalibrierung.
Die beiden historischen Elektrodenschemata im Ausgangsartikel vergleichen folgende Bauteile. Die Modellnummern kennzeichnen diese historischen Zeichnungen und sind keine Aussage über aktuelle ADWA-Produkte, Lieferumfang oder Kompatibilität.
| Historisches Schema | Dargestellte Bauteile |
|---|---|
| 53 33 / 53 41 / 53 42 | Gekapselte Referenz, inneres Diaphragma, keramisches Diaphragma und empfindliche Membran. |
| 53 30 | Referenzelement mit Hülle und poröses PTFE-Diaphragma. |
KCl wird häufig verwendet, weil K⁺ und Cl⁻ ähnliche Beweglichkeiten besitzen. Das kann den Übergangspotenzialbeitrag begrenzen, beseitigt ihn aber nicht grundsätzlich. Beim Kontakt mit einer anderen Probe hängen Potenziale von Zusammensetzung und Bedingungen ab; sie sind nicht allgemein im Puffer und im Produktionsmedium gleich.
Modelle für Übergangspotenziale existieren, erlauben ohne ausreichende Daten aber keine genaue Korrektur jedes Übergangs. Als reine Umrechnung entsprechen 10 mV bei idealen 59,16 mV/pH etwa 0,17 pH, 60 mV etwa 1,01 pH. Dies sind keine vorgeschriebenen oder typischen Fehler jeder industriellen Probe.
Kalibrierung und Probenmatrix
Ersetzen Sie bekannte Puffer nicht durch eine unbekannte „Modelllösung“, deren pH nicht unabhängig charakterisiert ist. Verwenden Sie nach Gerät und Methode kompatible Referenzen. Eine schwierige Matrix kann eine geeignete Sonde, ein angepasstes Referenzsystem oder eine unabhängige Kontrolle in einer charakterisierten Matrix erfordern. Ein solches Verfahren muss validiert werden.
Die im ursprünglichen Artikel genannte industrielle Sonde S272CD ist ein Anwendungsbeispiel, keine allgemeine Bestätigung der Eignung für beliebige hohe Temperaturen oder Medien. Prüfen Sie das konkrete Datenblatt und die Prozessbedingungen. Eine Anpassung an die Matrix lässt sich nicht allein aus einer allgemeinen Kalibrierempfehlung ableiten.
3. Stabilität der Referenzelektrode
3.1 Das Ag/AgCl-System
Ein verbreitetes Referenzsystem enthält Silber mit Silberchlorid in einem definierten Elektrolyten. Sein Potenzial hängt von Chloridaktivität und Temperatur ab; die Konzentration beschreibt nur einen Teil der Bedingungen. Stabile Zusammensetzung, vorgeschriebene Füllung und begrenzter Eintrag von Fremdstoffen unterstützen die Stabilität.
Für den idealen Ansatz gilt E = E° − (RT/F) ln a(Cl⁻). Bei 25 °C entspricht ein zehnfaches Verhältnis der Chloridaktivitäten einer Änderung von etwa 59,16 mV. Das Vorzeichen bezieht sich auf diese Definition des Referenzpotenzials.
Reines Rechenmodell: Entspräche das Verhältnis der Chloridaktivitäten bei 25 °C genau 3,5/3,0, ergäbe sich eine absolute Änderung von 59,16 × log₁₀(3,5/3,0) ≈ 3,96 mV beziehungsweise etwa 0,067 pH bei idealer pH-Steigung. Dies sagt die reale Änderung einer konzentrierten Füllung von 3,5 auf 3,0 mol/l nicht voraus: Aktivität und Konzentration sind nicht beliebig gleichzusetzen, weitere Einflüsse können hinzukommen. Aus diesem Konzentrationsunterschied allein folgt keine universelle Änderung von 50 mV oder 0,8 pH.
Ein absolutes Referenzpotenzial muss mit Referenztyp, Elektrolyt, Temperatur und Bezugsreferenz angegeben werden. Die folgende überprüfte Vergleichstabelle zeigt Ag/AgCl in gesättigtem KCl und in KCl mit 3 mol/l relativ zur Standardwasserstoffelektrode, nach Metrohm, Tabelle 9. Sie ersetzt die uneindeutige Konzentrationstabelle der Ausgangsabbildung. Ungeprüfte Spalten für 1 oder 3,5 mol/l werden nicht als Messdaten übernommen.
| Temperatur (°C) | Ag/AgCl, KCl gesättigt (mV) | Ag/AgCl, KCl 3 mol/l (mV) |
|---|---|---|
| 15 | +207 | +214 |
| 20 | +202 | +211 |
| 25 | +197 | +207 |
| 40 | +181 | +195 |
| 60 | +160 | +178 |
| 80 | +138 | +160 |
Diese Vergleichswerte sind keine Betriebsfreigabe oder Toleranz einer ADWA-Sonde. Unterschiedliche Referenzsysteme dürfen nicht verwechselt werden. Auch die Referenz ist temperaturabhängig; bei ±10 °C ist ihre Änderung nicht in jedem Fall vernachlässigbar.
Vier Gesichtspunkte der Konstruktion
- Elektrolytkonzentration: Höhere Konzentration oder eine gesättigte Lösung mit Kristallen kann konstruktive Vorteile haben, ist aber nicht allgemein die beste Füllung. Verwenden Sie ausschließlich die für das Modell vorgeschriebene Lösung.
- Reservoirvolumen: Es beeinflusst möglicherweise Reserve und Wartung. Mehr Volumen garantiert nicht in jeder Probe eine längere Lebensdauer.
- Gel oder Polymer: Je nach Konstruktion verringert es bestimmte Wartungsanforderungen, ist aber nicht automatisch langlebiger als eine nachfüllbare Flüssigreferenz.
- Doppelter Übergang: Er kann den Zutritt bestimmter Verunreinigungen zur Referenz begrenzen. Eignung und Pflege hängen weiterhin von Probe und Modell ab; eine allgemeine Lebensdauergarantie folgt daraus nicht.
Aufbewahrungslösung, Nachfüllelektrolyt und Kalibrierpuffer erfüllen verschiedene Aufgaben. Füllen Sie die Sonde nicht anhand eines allgemeinen Konzentrationsvergleichs nach und bauen Sie sie nicht um. Prüfen Sie Anleitung und geeignete Wartung.
Die Prüfung praktisch abschließen
Beginnen Sie mit Puffern, Sonde, Kontakten, Temperatur und Probenahme. Beurteilen Sie anschließend Steigung, Versatz und die Antwort in einer geeigneten Kontrolle. Kalibrierung kann einen Teil der Antwort unter gegebenen Bedingungen korrigieren, entfernt aber nicht automatisch Matrixunterschiede, Verschmutzung oder eine ungeeignete Elektrode.
Autor und fachlicher Hintergrund
Fachartikel von Kovács István, CSc, Kandidat der chemischen Wissenschaften. Die folgende biografische Angabe stammt aus dem ursprünglichen Autorenporträt: Er beschreibt die Elektrochemie als sein Fachgebiet und seine Leidenschaft seit mehr als 40 Jahren und berichtet über 20 Jahre wissenschaftlicher Tätigkeit sowie die Leitung mehrerer Projekte. Seine Gruppen entwickelten photoelektrochemische Solarzellen, schluckbare pH-Elektroden zur Untersuchung und Überwachung des Magen-pH sowie ionenselektive Elektroden für industrielle Medien. Er nennt die Anwendung und Entwicklung neuer wissenschaftlicher Messmethoden, mehr als zehn Erfindungen und 50 Publikationen. Diese historische Selbstdarstellung bestätigt keine heutige medizinische Produktfreigabe.
Fragen zur Messtechnik: info@labornite.hu.

